Die Geschichte des Gymnasiums Eickel

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1904

Errichtung des Realgymnasiums

Errichtung eines von den Ämtern Wanne und Eickel gemeinsam zu unterhaltenden Realgymnasiums und die Eröffnung der Klassen von Sexta bis Quarta.

1904

1906

Neues Schulgebäude

Feierliche Übergabe des neuen Schulgebäudes an der Ecke Harkort- und Göbenstraße.

1911

Erster Abiturienten-Jahrgang

1910 Eröffnung der Oberprima. Ein Jahr später wird der erste Eickeler Abiturienten-Jahrgang entlassen.

1911

1919

Durch ministriellen Erlass wird Mädchen der Besuch der höheren Knabenanstalt zur Weiterbildung erlaubt. Bis 1927 gibt es sieben Abiturientinnen.

1921

Wandel zum Reformrealgymnasium

Ab dem Jahre 1921 bezeichnete sich die Schule als „Reformrealgymnasium“. Die Schüler:innen konnten nach fünfjähriger gemeinsamer Unterrichtszeit entscheiden, ob sie fortan einen sprachlichen oder mathematisch-naturwissenschaftlichen Hauptzweig besuchen wollten. 

1921

1933-1945

Umprägung zur "Oberschule" im Nationalsozialismus

Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurden die unterschiedlichen Ausprägungen höherer Schulbildung auf die gemeinsame Form der „Oberschule“ zusammengeführt.

Beginn politischer Spannungen im Innenleben der Schule.

1943

Evakuierug der Schule

Evakuierung der Schule nach Trautenau im Sudetenland

1943

1951

Jungengymnasium kehrt zurück

Das Jungengymnasium kehrt aus dem Lyzeum an der Stöckstraße ins eigene Gebäude zurück.

1954

Neue Aula

Zum 50-jährigen Jubiläum wird die neue Aula eingeweiht.

1954

1955

Städtisches Neusprachliches und Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium Wanne-Eickel

In der Nachkriegszeit findet die Umgestaltung zum "Städtisches Neusprachliches und Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium Wanne-Eickel" statt. 

1956

Das in der ersten Etage untergebrachte Ausgleichsamt der Stadt Wanne-Eickel verlässt die Schule.

1956

1962

Erste Fahrt einer Obertertia ins Ruderlager nach Delecke.

1964

Neubau

Beschluss zum Neubau eines sechsklassigen Gebäudetraktes mit Gebäude A und B

1964

1967

Baubeginn eines Traktes für Verwaltung und Spezialräume

1972/73

Erstmalig Benennung als "Gymnasium Eickel"

Nunmehr konnte der Einzelne im Rahmen gewisser Vorgaben Kurse wählen, die seinen eigenen Neigungen, Fähigkeiten und Zielen entsprechen sollten. Dementsprechend gab es nun nur noch ein schlichtes „Gymnasium Eickel“. 

1972/73

1973

Beginn des dritten Bauabschnitts mit Turnhalle, Toiletten, Hausmeisterwohnung und Fahrradunterständen

1975

Änderung der Schülerschaft - „Städtisches Gymnasium für Jungen und Mädchen“

Nicht mehr nur Jungen wurden aufgenommen, sondern auch Mädchen (was in früheren Zeiten nur ausnahmsweise der Fall gewesen war)

1975

1977

Totalrenovierung

Beginn der Totalrenovierung des Altbaus

1989

Der Altbau wird unter Denkmalschutz gestellt.

1989

2004

100-jähriges Schuljubiläum

2024

„Gymnasium Eickel, Schule der Stadt Herne"

Der Hinweis auf die geschlechterübergreifende Beschulung ist entfallen, da er als überholt empfunden wurde.

2024

Ostansicht von der Kurhausstraße (vor 1909)
Abbildung 1: Gymnasium Eickel vor 1909
Abbildung 2: Kollegium 1911
Abbildung 3: Kollegium 1923
Abbildung 4: Kollegium 1927
Abbildung 5: Kollegium ca. 1937
Abbildung 6: Abiturienten 1952
Abbildung 7: Kollegium ca. 1959
Abbildung 8: Abiturientia 1962
Abbildung 9: Abiturientia 1967
Abbildung 10: Kollegium ca. 1979
Abbildung 11: Abiturjahrgang 1993
Abbildung 12: Abiturjahrgang 1996
Abbildung 13: Kollegium 2004
Schulmuseum am Gymnasium Eickel

Der Gedanke, am Gymnasium Eickel ein, wenngleich bescheidenes, Schulmuseum einzurichten, erwuchs aus den Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der Schule heraus: Es war eine geschichtliche Ausstellung aufgebaut worden, deren Bestandteile nach dem Ende des Jubelfestes möglichst nicht einfach wieder in der Versenkung verschwinden sollten. Sie wurden daher, soweit sie sich im Besitz der Schule befanden, in kleinerem Rahmen erneut zusammengestellt. Über die Jahre hinweg kamen Stücke hinzu, die anderwärts ausgesondert oder auch angekauft worden waren.

Das so entstandene und immer noch im Wachstum begriffene Schulmuseum will Arbeitsmaterialien, Verfahrensweisen, räumliche, technische, aber auch gesellschaftliche, politische und sonstige Gegebenheiten und Bedingungen schulischen Arbeitens veranschaulichen, wie sie sich seit der Gründung der Schule entwickelt haben.

Die schuleigene Ausstellung wurde zunächst im Raum CO2 untergebracht. Mit der Entwicklung des Raumbedarfs musste sie in den für Unterrichtszwecke weniger beliebten Raum CO8 übersiedeln. Nun ist der Schulträger bestrebt, wiederum mehr Unterrichtsräume zur Verfügung zu stellen. In diese Bestrebungen soll auch der genannte Raum CO8 einbezogen werden. Daher warten die Bestände des Museums seit längerer Zeit weitgehend verpackt darauf, in eine neue Bleibe, die sich voraussichtlich im Keller des B-Gebäudes befinden wird, verfrachtet und dort erneut zur Geltung gebracht zu werden. 
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Das Gymnasium Eickel – ein geschichtlicher Überblick

Herr Dr. Tautz

Der vorliegende Beitrag will einen kurzen Überblick über die Geschichte des Gymnasiums Eickel geben. Naheliegenderweise muß er sich dabei auf einige wenige Gesichtspunkte beschränken. So geht er zunächst auf die Entstehungsgeschichte der Schule ein, wendet sich dann ihrer pädagogischen und organisatorischen und schließlich ihrer baulichen Entwicklung zu.

Von den Anfängen

Im 19. Jahrhundert, insbesondere nach der im Jahre 1871 erfolgten Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches, entwickelte sich das bis dahin eher ländlich geprägte Gebiet zwischen Ruhr und Emscher zu einer industriellen Ballungszone. Die Bevölkerungszahl vervielfachte sich innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit. Damit stieg auch der Bedarf an weiterführenden Schulen. Eine steigende Zahl von Eltern wollte es ihren Kindern – und hier vorwiegend den Jungen – ermöglichen, eine höhere Bildung und die damit verbundenen Berechtigungen zu erwerben: Wer ein Studium an einer Universität oder Hochschule aufzunehmen oder in die höheren Ränge des Staatsdienstes einzutreten wünschte, mußte in der Regel die gymnasiale Oberstufe oder zumindest den ersten Teil derselben erfolgreich durchlaufen haben. An einen höheren Schulabschluss, bzw. an die Zulassung zur Oberstufe des Gymnasiums, war auch das Recht gebunden, als junger Mann den „Einjährig-Freiwilligendienst“ im Militär abzuleisten: Statt zwei oder drei Jahre zu dienen, konnte man sich bereits nach einem aus dem aktiven Dienst in die Reserve versetzen lassen und eine Berufstätigkeit oder ein Studium aufnehmen. Der Dienstpflichtige (bzw. in der Regel sein Elternhaus) hatte dabei alle Kosten, etwa für Verpflegung, Ausrüstung etc. selbst zu tragen. Da dies nur wohlhabende Kreise vermochten, wurde der „Einjährig-Freiwilligendienst“ auch zu einem geschätzten Zeichen gehobenen Standes. Ferner wurde der Einjährig-Freiwillige nach Ablauf seines Dienstjahres üblicherweise Offizier der Reserve ernannt, was sein gesellschaftliches Ansehen ungemein steigern konnte. Auch die sogenannte „Realschule II. Ordnung“, die in etwa der heutigen Realschule entsprach, berechtigte mit ihrem Abschluss dazu, diesen Dienst zu leisten. Der Ausdruck „das Einjährige“ hat sich dementsprechend bis in die jüngste Zeit als Bezeichnung für den mittleren Schulabschluss des deutschen Bildungswesens gehalten.

Der Bedarf an höherer Bildung konnte im Bereich der späteren Stadt Wanne-Eickel nicht gedeckt werden, man mußte auf Schulen in der näheren oder weiteren Umgebung zurückgreifen, etwa auf das Gymnasium in Bochum. Ansätze, diesen als unbefriedigend empfundenen Zustand zu verändern, kamen zunächst nicht von staatlicher, sondern von kirchlicher und privater Seite: „Im Jahre 1886“ beraumte der evangelische „Pfarrer … Hellweg auf Anregung aus der Bürgerschaft eine Versammlung“ an, „welche den Zweck verfolgte, … in Wanne eine höhere Knaben- oder Rektoratschule zu errichten.“ „Ergebnis“ war, daß der Pfarrer „gebeten wurde, die Genehmigung zu einer Privatrektoratschule zu erwirken“. „Diese wurde am 9. April 1886 erteilt und die Schule mit 26 Schülern eröffnet“.[1] Im Jahre 1894 folgte eine entsprechende katholische Einrichtung, die durch den Vikar Schmidt geleitet wurde.[2]
Eine Rektoratschule gehörte wesensmäßig zum mittleren Schulwesen, bereitete aber, u. a. mit Unterricht in Latein, auf den Besuch der höheren Schulen vor. Sie selbst hatte keine gymnasiale Oberstufe, somit konnten hier auch keine gymnasialen Abschlüsse angeboten werden. Mit der Gründung der beiden Rektoratschulen hatte man daher auf dem Weg zu höherer Bildung in Wanne und Eickel ein gutes Stück Weges bewältigt, war jedoch noch nicht am Ziel angekommen. Dieses Ziel, eine eigene örtliche gymnasiale Anstalt zu schaffen, blieb aber im Bewußtsein und die weitere Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung ließ es immer erstrebenswerter erscheinen. So wurden auch staatliche Stellen tätig: „Am 30. August 1902“ verfügte der damals für Wanne und Eickel maßgebliche „Kreisausschuss zu Gelsenkirchen, spätestens am 1. April 1904 zu Wanne die Sexta zu errichten“,[3] d. h. den Einstieg in die Gymnasialbildung vorzunehmen. „Am 9. Januar 1903“ „beschlossen“ „die beiden Amtsvertretungen von Wanne und Eickel“, die nach einer umfangreichen Neuordnung der Gemeindezugehörigkeit nunmehr für das Schulwesen zuständig waren, „die Errichtung eines Realgymnasiums auf gemeinsame Kosten“.[4] So nahm im Jahre 1904 das heutige Gymnasium Eickel als „Real-Progymnasium i. E. der Ämter Wanne und Eickel“[5] seine Tätigkeit auf. Die beiden Rektoratschulen stellten die ihre ein, wobei sie, so wurde es in der Festrede zur Eröffnung gesagt, „das Schülermaterial für die beiden oberen Klassen lieferten“.[6]

Veränderungen im Laufe der Zeiten – das Gymnasium in seinen unterschiedlichen Gestalten
In Preußen gab es im 19. Jahrhundert  im Wesentlichen drei Arten von Lehranstalten, die eine höhere Schulbildung vermitteln wollten: Das Humanistische Gymnasium, dessen Lehrplan stark von den sogenannten „Alten Sprachen“, d. h. Griechisch, Latein und Hebräisch beherrscht wurde, war aus den Preußischen Reformen zu Beginn des Jahrhunderts hervorgegangen. Deren führende Gestalt, der Politiker Wilhelm v. Humboldt, hatte die Ansicht vertreten, es sei für alle Berufsgruppen sinnvoll und erstrebenswert, dem Vorbild der Antike nachzueifern.[7] Im Laufe des Jahrhunderts erstarkten wirtschaftlich und industriell ausgerichtete bürgerliche Schichten, die zunehmend darauf drängten, im Bildungswesen die sogenannten „Realien“ stärker zu berücksichtigen. Unter diesem Begriff verstand man solche Inhalte, die für eine Laufbahn in Wirtschaft und Gewerbe nützlich sein konnten, insbesondere Naturwissenschaften und „moderne“ Fremdsprachen, vor allem Französisch und Englisch. Diesen Wünschen suchte man mit der Einrichtung des „Realgymnasiums“ und der „Oberrealschule“ entgegenzukommen. Dabei bot das „Realgymnasium“ weiterhin Latein als Fremdsprache an, während die „Oberrealschule“ darauf verzichtete. Die völlige rechtliche Gleichstellung von Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealschule erfolgte im Jahre 1900.[8]
Der Ausdruck „Realprogymnasium“ kennzeichnete die Vorstufe eines Realgymnasiums. Sie war überwunden, wenn erstmals Schüler in die Oberstufe aufgerückt waren. Das galt für die Eickeler Anstalt ab dem Jahr 1908: Sie firmierte nunmehr als „Realgymnasium i. E. der Aemter Wanne und Eickel“[9]. Die Abkürzung „i. E.“, „in Entwicklung“, haftete einer Schule so lange an, bis die jeweils vorgeschriebene Zahl von Jahrgangsstufen erreicht war. Im Schuljahr 1910/11 entfiel sie in Eickel: In diesem Jahre wurde hier „die Oberprima eröffnet“,[10] d. h. es rückten erstmals Schüler in die Oberprima der von unten nach oben gewachsenen Schule auf, bzw. konnten von außerhalb in diese Stufe aufgenommen werden. Dem Umstand, daß Schüler dieser neueröffneten Prima als erster Eickeler Abiturienten-Jahrgang entlassen wurden, widmete der „Eickeler Anzeiger“ am 24. März 1911 einen Beitrag, der fast die gesamte Titelseite einnahm. Diese Tatsache zeigt anschaulich, welche Wertschätzung der Schule, für die sich Bürger, Kirchen und Politiker über lange Jahre hinweg eingesetzt hatten, entgegengebracht, welche Bedeutung ihr zugemessen wurde.

Ab dem Jahre 1921 bezeichnete sich die Schule als „Reformrealgymnasium“: Seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts gab es die Bewegung der „Reformanstalten“.  Sie wollte Schülern im Bereich der höheren Bildung so lange wie möglich die Entscheidung darüber offenhalten, welchen der drei Hauptzweige sie besuchen wollten. Ein gemeinsamer Unterbau sollte alle „höheren“ Schüler aufnehmen, erst im Anschluss daran sollte man sich entscheiden müssen. Die Schule in Wanne und Eickel folgte dem sogenannten „Frankfurter Plan“ von 1891. Er sah einen fünfjährigen gemeinsamen Unterricht vor; in der Sexta, der Eingangsklasse, sollte Französisch, in der Untertertia (Stufe 8) Latein eingeführt werden; die Schüler des Realgymnasiums sollten ab der Untersekunda (Stufe 10) Englisch, diejenigen des humanistischen Gymnasiums Griechisch lernen. Da der Eickeler Anstalt auch eine Oberrealschule angegliedert worden war, fanden sich zwei der drei Hauptzweige höherer Bildung unter einem Dach.

Unter der nationalsozialistischen Herrschaft sollte in Deutschland wie das politische und gesellschaftliche Leben so auch das Bildungswesen weitgehend vereinheitlicht werden. Die unterschiedlichen Ausprägungen höherer Schulbildung wurden auf die gemeinsame Form der „Oberschule“ zusammengeführt.
Sie bestand auch nach dem Krieg zunächst noch fort, bis im Jahre 1955 das „Düsseldorfer Abkommen“ festlegte, dass die früheren Realgymnasien als „Neusprachliche“, die ehemaligen Oberrealschulen als „Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasien“ weitergeführt werden sollten.
Die „Oberschule Wanne-Eickel“ hieß nunmehr „Städtisches Neusprachliches und Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium Wanne-Eickel“. Die Bildungsreformer der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts strebten eine größere Durchlässigkeit des Schulwesens an. Als ein Mittel, dieses Ziel zu erreichen, wurde ein „Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Gymnasium in Aufbauform zur Erlangung einer fachgebundenen Hochschulreife“ eingeführt. Schüler, die eine Haupt- oder Realschule erfolgreich durchlaufen hatten, konnten mit diesem Abschluss eine Hochschule besuchen, allerdings nur eine begrenzte Zahl von Fächern studieren. Man kam ihnen in verschiedener Hinsicht entgegen, so konnten etwa Realschüler in den Aufbauzweig eintreten, ohne die ansonsten vorgeschriebene zweite Fremdsprache nachweisen zu müssen. Ein solcher Zweig wurde im Jahre 1968 dem Eickeler Gymnasium angeschlossen.

In den Jahren 1972/73 wurde die gymnasiale Oberstufe umgestaltet: Galt bis dahin für alle Schüler einer Jahrgangsstufe im Wesentlichen der gleiche Stundenplan mit den gleichen Fächern, so konnte nunmehr der Einzelne im Rahmen gewisser Vorgaben Kurse wählen, die seinen eigenen Neigungen, Fähigkeiten und Zielen entsprechen sollten. Dementsprechend gab es nun nur noch ein schlichtes „Gymnasium Eickel“.


Dessen Schülerschaft änderte sich ab dem Jahr 1975 insofern, als nun nicht mehr nur Jungen, sondern auch Mädchen aufgenommen wurden, was in früheren Zeiten nur ausnahmsweise der Fall gewesen war. Bereits vorher war ein Wechsel in der Trägerschaft des Gymnasiums eingetreten: Im Jahre 1973 war die Stadt Wanne-Eickel nach Herne eingemeindet worden. Das Gymnasium Eickel wies seitdem im Briefkopf darauf hin, daß es ein „Städt.(isches) Gymnasium für Jungen und Mädchen“  sei.


Seit Juni 2024 lautet der Name „Gymnasium Eickel, Schule der Stadt Herne“. Man kommt damit einer Vorschrift im Schulgesetz Nordrhein-Westfalens nach, der zufolge „jede Schule … eine Bezeichnung“ führt, „die den Schulträger und die Schulform angibt.“[11] Der Hinweis auf die geschlechterübergreifende Beschulung ist entfallen, da er als überholt empfunden wurde.

Die Baugeschichte des Gymnasiums Eickel
Die neugegründete Schule verteilte sich in ihrer Unterbringung zunächst auf mehrere, eher bescheidene Standorte: Unterricht fand in einem Zimmer des evangelischen Gemeindehauses in Wanne sowie in zwei Zimmern der Kirchschule statt.[12] Der Direktor nutzte als sein Dienstzimmer einen Raum im Hotel Peters in Wanne.[13] Im Jahre 1905 zog man „in die Verbindungsstraße zu Eickel“ um: Sextaner und Quintaner in die Liboriusschule,  Quartaner und Untertertianer in „eine Schulbaracke, die seitens der Gemeinde Wanne zur Verfügung gestellt worden war“.[14] Im November desselben Jahres erfolgte ein weiterer Umzug, diesmal übersiedelten alle Klassen in das neue Gebäude, obgleich dieses noch nicht restlos fertiggestellt war. Nach dieser Fertigstellung wurde der Neubau im Jahre 1906 feierlich eingeweiht.[15]
Wie die Tatsache, daß überhaupt ein eigenes örtliches Gymnasium geschaffen worden war, so erweckte auch das neue Gebäude verbreitet Stolz und Freude: In den Jahresberichten gehen die jeweiligen Schulleiter mit bewegten Worten auf diesen Gegenstand ein: So freut sich im Jahre 1905 der „Anstaltsleiter“ Knippschild auf „ein … würdiges Schulgebäude nebst Turnhalle und Wohnhaus für den Direktor“. Im folgenden Bericht begeistert er sich, „daß der Bau nicht nur in seiner äußeren Erscheinung eine schmucke Zierde des ganzen Schulbezirks darstellt, sondern daß er sich auch in seiner gesamten inneren Einrichtung aufs beste bewährt.“[16] Im Bericht 06/07 wird der nunmehr entstandene Bau in zahlreichen Einzelheiten beschrieben.[17] Im Hinblick auf das Äußere hatte man sich, so der Direktor, für eine „Ausführung … in einfacher deutscher Renaissance“ entschieden.[18] In diesen Worten wird eine Ausrichtung erkennbar, die das künstlerische, besonders auch das architektonische Schaffen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa über Jahrzehnte hinweg geprägt hat: der sogenannte Historismus. In Ermangelung eigenständiger Entwicklungen griff man auf Stile vergangener Zeiten zurück, mischte deren Bestandteile auch miteinander.[19] Dieselbe Gestaltung zeigten auch die weiteren Teile der Anlage: Für den Schulleiter errichtete man als Dienstwohnsitz ein freistehendes Haus neben dem eigentlichen Schulgebäude. Im Jahre 1909 begannen die Arbeiten an einem von Anfang an vorgesehenen Erweiterungsbau, 1910 wurden sie zum Schuljahreswechsel, der damals noch zu Ostern stattfand, beendet.[20] So stand nun „ein geschmackvolles und gut ausgestattetes Anstaltsgebäude nebst Turnhalle“ und „Spielplatz“ zur Verfügung.[21]
Schon recht bald aber wurden auch Stimmen laut, die sich weniger beifällig zur Gestaltung der Anlage äußerten: Bereits in der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Schule heißt es mit erkennbarem inneren Abstand, die Entscheidung „für den Stil der einfachen deutschen Renaissance“ habe „man“ „dem damaligen Geschmack folgend“[22] getroffen: Die bauliche Gestaltung des Gebäudes wurde offenbar vielfach für nicht mehr zeitgemäß erachtet. Hier kommt eine Entwicklung des Stilempfindens zum Ausdruck, die schon um die Jahrhundertwende einsetzt, in den 20er Jahren, der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft und der frühen Nachkriegszeit stärker wird, um dann allmählich wieder abzuflauen und sich schließlich nahezu in ihr Gegenteil zu verkehren: Man lehnte die Nachahmung von Baustilen vergangener Zeiten ab und strebte nach einer eher nüchtern-sachlichen Erscheinungsweise. Nicht selten entfernte man im Zuge einer sogenannten „Entstuckung“ von bestehenden Fassaden, die im Stil des Historismus gestaltet waren, die entsprechenden Verzierungen.[23] Dieses Streben kam im Erweiterungsbau deutlich zur Geltung. Ein deutliches Ansteigen der Schülerzahlen stellte das Gymnasium in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts vor zunehmende Schwierigkeiten: Schule wie Elternschaft drangen immer nachdrücklicher auf eine Lösung. Diese sollte in einen größeren Rahmen eingebettet werden: Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Wanne-Eickeler Bildungslandschaft sollte neugestaltet werden. Erwogen wurden unterschiedliche Ansätze, etwa die Errichtung eines dritten Gymnasiums in Wanne-Eickel, einer Gesamtschule oder eines Schulzentrums. Nach langwierigen Überlegungen, Erörterungen und Verhandlungen kam man zu der Auffassung, daß ein Neubau an alter Stelle, der deutlich großzügiger ausfallen sollte als die bestehende Anlage, am ehesten geeignet sein dürfte, die Lage am Eickeler Gymnasium nachhaltig zu verbessern. Geplant war nunmehr, bei laufendem Schulbetrieb in mehreren aufeinanderfolgenden Stufen neue Gebäudeteile an den Altbestand anzufügen, letzteren dann abzubrechen und auch das so freiwerdende Gelände neu zu bebauen.[24]
Der erste Teil des Neubaus, im Wesentlichen übereinstimmend mit den heutigen A- und B-Gebäuden, wurde im Jahre 1966 fertiggestellt,[25] der zweite mit Fach- und   Verwaltungsräumen, z. B. dem Sekretariat und dem Zimmer der Schulleitung, im Jahre 1970. Planmäßig hätte nun der Abbruch des Altbaus erfolgen sollen, was die Auslagerung der bis dahin dort beschulten Klassen bedingt hätte. Mit solchen Auslagerungen aber hatte man im Vorfeld schlechte Erfahrungen gemacht: Im Jahre 1960 waren zwei Klassen im Gebäude der Berufsschule Wanne-Eickel unterrichtet, im Schuljahr 1963/64 Räumlichkeiten der alten Schule in der Wilhelmstraße genutzt worden.[26] Die Verbindung der ausgelagerten Klassen zur Stammschule wurde als gestört, die pädagogische Arbeit durch das notwendige Pendeln von Lehrkräften als beeinträchtigt empfunden.[27] Aufgrund solcher Erfahrungen und auch aus Kostengründen kam man schließlich zu dem Entschluß, den Altbau zu erhalten und lediglich einer grundlegenden Erneuerung zu unterziehen. Das Direktorenhaus allerdings wurde abgerissen, seine Grundfläche dem Schulhof zugeschlagen, der dritte Neubauteil mit Turnhalle, Aula, Hoftoiletten etc. bis zum Schuljahr 1975/76 fertiggestellt. Der Bau dieses Abschnitts hatte sich u. a. dadurch verzögert, daß im fraglichen Bereich des Schulgeländes ein unterirdischer Luftschutzbunker vorhanden war (und bis zum heutigen Tage ist): Das Gelände als solches war Eigentum des Schulträgers, einer Überbauung dieses Bunkers aber mußten die Bundesvermögensstelle in Dortmund und die Oberfinanzdirektion in Münster zustimmen. Diese Zustimmung lag erst zu Beginn des Jahres 1971 vor.[28]
Als man die ersten Teile des Neubaus in Angriff nahm, ging man davon aus, einen zusammenhängenden, einheitlichen Gesamtneubau zu schaffen. Die architektonische Gestaltung dieses Baues legte man wieder so an, wie es „dem damaligen Geschmack“[29]  entsprach, d. h. nunmehr demjenigen der 60er Jahre: mit weniger hohen Räumen als im Altbau, einer sachlich-schlichten, eher schmucklosen Anmutung und mit einer Fassade aus (Wasch)Beton und Glas. Auf das Erscheinungsbild des Altbaus, der ja nur noch „als abbruchbestimmtes Provisorium“[30] angesehen wurde, nahm man keine größere Rücksicht. Als dann entgegen den ursprünglichen Erwartungen der Altbau bestehen blieb – im Jahre 1989 wurde er sogar die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne aufgenommen[31] –, stießen zwei Baukörper weitgehend gegensätzlicher Gestaltung unvermittelt an- und aufeinander.

Dieser Zustand dauerte fort, bis in den Jahren 2010/11 der Neubau seinerseits gründlich überholt wurde. Die Außenwände erhielten eine neue Dämmung, die vielfach schadhaft gewordenen Fenster wurden durch neue ersetzt, Jalousien eingebaut, die je nach Stärke des Sonneneinfalls automatisch herunter- und wieder herauffahren. Im Zuge dieser Arbeiten entfernte man auch die – so die damalige Schulleiterin van Merwyk – „für unseren heutigen Geschmack hässlichen … Waschbetonplatten“.[32] Die Waschbeton-Fassade ist damit von dem Schicksal ereilt worden, dem die Außenhaut des Altbaus entgangen ist: aufgrund eines zeitbedingten Wandels des Geschmacks und der Mode beseitigt zu werden. Auch, wenn vermutlich eine breite Mehrheit der Zeitgenossen dem oben wiedergegebenen Geschmacksurteil beipflichten dürfte, hat das Ganze doch auch etwas Heikles an sich: Es zeigt sich, wie gründlich sich solcher Geschmack ändern und welch unerwartete Wendungen er nehmen kann. Tatsächlich gibt es heutzutage durchaus Stimmen, die auch Architekturerzeugnissen, die man vor einiger Zeit vielleicht noch als „Bausünden“ eingestuft hätte, eine Daseinsberechtigung und Erhaltenswürdigkeit zusprechen.[33] Entsprechende Gedanken finden sich bereits in der Festschrift zum Hundertjährigen Jubiläum des Eickeler Gymnasiums: „Über die Frage, ob das, was wir als Neubau bezeichnen, schön“ sei, lasse „sich sicherlich … streiten“. „Aber als Denkmal seiner Zeit könne er“, und zwar damals noch in Waschbeton-Ausführung, „berechtigterweise gelten“.[34]
Der neue Verputz paßt sich in der Oberflächengestaltung und der Farbgebung an die Fassadenbestandteile des Altbaus, insbesondere an die Sandsteinelemente, an. Der Gegensatz zwischen Alt und Neu wird dadurch deutlich abgeschwächt, der Altbau in gewissem Maße zur bestimmenden Größe für das Erscheinungsbild der Schule. Daß schließlich in letzter Zeit mit großem Einsatz an Mitteln und Liebe zum Detail daran gearbeitet wird, diesen Altbau denkmalgerecht aufzuarbeiten, fügt sich nahtlos in diesen Gesamteindruck ein.



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[1] Realprogymnasium der Aemter Wanne und Eickel (Hrsg.), Bericht über das Schuljahr 1906-1907, erstattet von dem Direktor E. Knippschild, (im Folgenden: Bericht 06-07), Wanne 1907, S. 8f.

[2] ebd., S. 9

[3] Realprogymnasium i. E. der Aemter Wanne und Eickel (Hrsg.), Bericht über das Schuljahr 1904-1905, erstattet von dem Anstaltsleiter E. Knippschild, Wanne 1905 (im Folgenden: Bericht 04/05), S. 12

[4] ebd.

[5] „Ämter“ oder „Amtsbezirke“ waren in Preußen, das, bis es im Jahre 1947 von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs für aufgelöst erklärt wurde, größter Bundesstaat des Deutschen Reiches war, politische Verwaltungseinheiten mit Befugnissen in Bereichen wie der niederen Gerichtsbarkeit, der Polizeigewalt und eben auch des Bildungswesens. Aus den „Ämtern Wanne und Eickel“ entstand im Jahre 1926, unter gewissen Verschiebungen im Gebietsbestand, die Stadt „Wanne-Eickel“.

[6] Bericht 06/07, S. 9

[7] Lexikon der Pädagogik, herausgegeben vom Wellmann-Institut München-Wien, Leitung der Herausgabe: Heinrich Rombach, 4 Bd., Freiburg, Basel, Wien 1970 (Bd. 1 u. 2), 1971 (Bd. 3 u. 4), hier: Reble, A., Klassisch-idealistische Epoche, Bd. 2, S. 453f.

[8] ebd., hier: Vaht, R., Realgymnasium, Bd. 3, S. 385

[9] Realgymnasium i. E. der Aemter Wanne und Eickel (Hrsg.), Bericht über das Schuljahr 1907-1908, erstattet von dem Direktor Dr. Hermann Bredtmann, Wanne 1908, S. 22

[10] Realgymnasium i. E. der Aemter Wanne und Eickel (Hrsg.), Bericht über das Schuljahr 1909-1910, erstattet von dem Direktor Dr. Hermann Bredtmann, Eickel (Westf.) 1910, S. 26

Der Ausdruck „Prima“ gehört zu den heutzutage weitgehend außer Gebrauch gekommenen lateinischen Bezeichnungen für die Klassen des Gymnasiums. Dabei zählen die obersten Klassen, die heutige Q1 und Q2 als dem Rang nach erste („Ober-“ und „Unterprima“). Von hier aus wird über die zweite Stufe, die „Ober-“ und „Untersekunda“, und die dritte („Ober-“ und „Untertertia“) bis zu den unteren, der „Quarta“, der „Quinta“ und der „Sexta“ rangmäßig hinab-, vom Zahlenwert aber heraufgezählt.

[11] § 6 Abs. 6 Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen

[12] Bericht 04/05, a. O. 

[13] 50 Jahre Amt Wanne, Selbstverlag, 1925 (im Folgenden: 50 Jahre), S. 107

[14] Bericht 04/05, a. O.; 50 Jahre, a. O.

[15] 50 Jahre, a. O.

[16] Bericht 04/05, S. 13

[17] Bericht 06-07, 5f.

[18] ebd., S. 5

[19] Seite „Historismus“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. April 2024, 11:15 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Historismus&oldid=244534363 (Abgerufen: 1. Juni 2024, 09:00 UTC)

[20] 50 Jahre, S. 108

[21] 50 Jahre, S. 109

[22] Festschrift zum 25=jährigen Jubiläum des Reformrealgymnasiums mit Oberrealschule i. E. Wanne=Eickel. 1904-1929, Selbstverlag Wanne-Eickel, 1929 (im Folgenden: Festschrift 25), S. 5

[23] Seite „Entstuckung“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 1. Januar 2024, 16:26 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Entstuckung&oldid=240738415 (Abgerufen: 1. Juni 2024, 09:11 UTC)

[24] Akte „Neubau des Jungengymnasiums“, Schularchiv, ohne Seitenzahlen (im Folgenden: Akte)

[25] Gymnasium Eickel, Herne 2: Gymnasium Eickel 1904-1979, Herne 1979 (im Folgenden: Gymnasium Eickel 1904-1979), S. 18

[26] Gymnasium Eickel 1904-1979, a. O.

[27] Akte

[28] ebd.

[29] Festschrift 25, a. O.

[30]  So der damalige Direktor Stukenbrock (Akte)

[31] vgl. Wikipedia, Liste der Baudenkmäler in Herne (29. 5. 2024)

[32] Merwyk, Magdalene van: Aus „ALT“ mach „NEU“, in: Gymnasium Eickel (Hrsg.), Gymnasium Eickel Jahrbuch 2010 / 2011, S. 64

[33] Eine Renaissance des Brutalismus – Beton, 16. April 2018  (30. 5. 2024)

[34] Piedboeuf, Andrea: Die Architektur des Schulgebäudes, in: Gymnasium Eickel (Hrsg.), 100 Jahre Gymnasium Eickel 1904 – 2004, S. 50f, hier: S. 51