Der Q1-Kunstkurs bei Herrn Plümper hat seinen Unterricht an einem anderen Lernort abgehalten: Der Kirche St. Joseph, häufig als Löwenkirche bezeichnet. Anlass war ein Werk des bildenden Künstlers Ludger Hinse, welches im Rahmen der Ausstellungsreihe »LICHTraum 2026« hier zu erleben war.
Tatsächlich ging es nicht um das Anschauen eines statischen Werkes. Das Kunstwerk existiert nur dann, wenn Licht und Bewegung vorhanden sind – also sind wir Herrn Pfarrer Horsch um so dankbarer gewesen, dass er uns nicht nur die Kirche aufgeschlossen, sondern das Werk auch eingeschaltet hat.
Zusätzlich ist der umgebende Raum ein wichtiger Bestandteil des Kunstwerkes: Der Künstler hat bewusst dieses Werk innerhalb der Ausstellungsreihe für genau diese Kirche vorgesehen und auch den Ort innerhalb der Kirche bestimmt, an dem es sich jetzt befindet: an der Wand oberhalb des Taufbrunnens.
Der Kurs erarbeitete sich nun das Werk in den üblichen Schritten, wobei der erste Eindruck durch eine kleine fünf-Minuten-Skizze unterstützt wurde. Im folgenden Gespräch konnten viel einfacher die Assoziationen genannt werden, die den Lernenden beim Zeichnen kamen.
Überlegungen zum eigentlichen Wesen des Werkes und der Art und Weise, wie es vermutlich funktioniert, schlossen sich an, dann wurde bei der Formulierung einiger Deutungshypothesen der vom Künstler gewählte Ort mit in die Überlegungen einbezogen. Dies zeigte, dass das Werk im Zusammenhang mit dem Ort zu interessanten und zur Beschreibung und Analyse passenden Interpretationen führte.
Ein kurzer Text des Künstlers zu seinem Werk, basierend auf einem Abschnitt aus der Apokalypse des Johannes, verriet uns dann seine Inspirationsquelle für sein Werk, welches aber in der Gestaltung so offen ist, dass der neue Ort, an dem es im Moment gezeigt wird, zu neuen Interpretationen einlädt. Eine kurze Besprechung – welche Wertigkeit hat deutungsoffenere Kunst – schloss sich an.
Eine Besonderheit war, dass wir uns das Kunstwerk am Ende noch einmal ausgeschaltet und aus der Nähe anschauen konnten – es war erheblich komplizierter, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte.
Schließlich verriet uns Herr Pfarrer Horsch noch, dass der Künstler unbewusst einen Ort in der Kirche gewählt hat, der früher ein Durchgang war, was wiederum einen Zusammenhang mit seiner ursprünglichen Inspiration hat – ein hochinteressanter Aspekt, der zeigt, dass Kunst mitunter Unsichtbares sichtbar machen kann.
Martin Plümper

