Finnland-Austausch 2025

Finnland-Austausch aus Schülerperspektive

In diesem Jahr hatte ich die großartige Gelegenheit, an einem zwölftägigen Schüleraustausch in Finnland teilzunehmen.
Schon die Anreise war sehr entspannt: Mit dem Flugzeug und dem Zug kamen wir problemlos an und wurden vor Ort von meinem Austauschschüler Andrii und seinem Vater abgeholt. Meine Gastfamilie war unglaublich gastfreundlich und hat uns sofort willkommen geheißen. Besonders in Erinnerung bleibt mir das immer gute Essen.

Der Besuch der finnischen Schule war besonders spannend. Die Gebäude sind sehr modern; es gibt keine Flure zwischen den Räumen, sondern Durchgangszimmer. Außerhalb der Klassenräume gibt es viele Sitzmöglichkeiten. Der Unterricht findet nur mit Laptops statt. Im Gebäude werden keine Schuhe getragen, was uns zuerst überrascht hat. Die Klassen und Kurse sind im Gegensatz zu unserer Schule hier in Deutschland extrem klein – meist mit nur 5 bis 15 Schülern – und es gibt viele interessante angebotene Fächer wie Nähen, Werken oder sogar Videospiele. Einmal im Jahr findet ein Theaterprojekt statt.
Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist sehr locker und angenehm. Sie duzen sich gegenseitig, wie es auch in ganz Finnland üblich ist.

In unserer Freizeit haben wir auch Ausflüge gemacht. Besonders beeindruckend war der Ausflug nach Estland, bei dem wir mit der Fähre nach Tallinn gefahren sind. In Helsinki besuchten wir unter anderem ein Schokoladenmuseum und ein Physikmuseum. Außerdem haben wir auch fast täglich einen Spaziergang in einem Wald gemacht. Die Natur war wirklich wunderschön.

Das Wetter war typisch finnisch – mit Temperaturen zwischen -5 °C und 10 °C eher kühl. Schnee gab es selten, dafür aber überraschend viel Sonne.
Auch der Verkehr war ungewohnt: Niemand schnallt sich an, und wir fuhren oft über lange Autobahnen, die fast nur von Wald umgeben waren.

Alles in allem war der Austausch eine wunderbare Erfahrung. Ich habe nicht nur ein neues Land kennengelernt, sondern auch viele neue Eindrücke gewonnen und eine ganz andere Schul- und Alltagskultur erlebt.

Emilia

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Der Finnland-Austausch aus der Lehrerperspektive:

Zum Austausch nach Parkano, Finnland – 25.04.-6.05.2025


Im April/Mai fand erstmals ein Austausch mit unserer neuen finnischen Partnerschule in Parkano statt. Parkano ist ein beschauliches Örtchen mit 6.000 Einwohnern mitten in der Natur und bildete nicht nur in dieser Hinsicht einen Kontrast zu Herne und dem Gymnasium Eickel. Die Stadt und ihre Einwohner strahlen Ruhe und Gelassenheit aus.

Der Schulbesuch
Die Schule, Parkano Lukio, lässt sich gut beschreiben als klein, aber oho!
Das Gebäude ist erst 6 Jahre alt und besticht durch offene Gestaltung, helle moderne Farben und eine technische Ausstattung, die neidisch macht. So ist es mittlerweile Pflicht in Finnland, dass jeder Schüler und jede Schülerin ein Laptop gestellt bekommt und alle Unterrichtsinhalte – sogar die Prüfungen – digital bearbeitet werden.
Das ermöglicht es den Schüler:innen auch, sich auf einem der vielen Sitzsäcke niederzulassen, wenn die Stimmung gerade danach ist, und dank der Pantoffelpflicht, die im ganzen Gebäude herrscht, ist das Gebäude entsprechend sauber und der Vibe sehr heimelig. In vielen Klassen findet sich nur eine Handvoll Schüler:innen, und wer eine Frage hat, ruft die Lehrkraft kurz beim Vornamen. Das schafft eine Lernatmosphäre, die lockerer wirkt, als wir es aus unseren Klassenzimmern gewohnt sind.
Sowohl Pausenraum der Oberstufe als auch das Lehrerzimmer laden mit Couchen, Küche, Kicker und Co. zum Verweilen ein, und im unterrichtlichen Angebot finden sich Fächer wie E-Sports und Werken. Wie eine solche Lernumgebung und das technische Angebot auf die Gestaltung von Mathematik-, Englisch- und Deutschunterricht auswirken, konnte ich mir täglich beim Job-Shadowing ansehen und freue mich schon darauf, meine neuen Eindrücke mit meinem Kollegen am Gymnasium Eickel zu teilen.

Ausflug nach Helsinki
Schon am ersten Wochenende hatten wir die Gelegenheit, nach Helsinki zu fahren und dort die Fazer-Schokoladenfabrik und ein Wissenschaftszentrum zu besuchen.
Die Führung bei Fazer, vom Kakaobaum bis zur Verpackung, war nicht nur informativ, sondern beinhaltete auch diverse Möglichkeiten zum Verkosten der finnischen Leckereien. So konnte man am Ende bspw. 10 Min. lang aus einer Riesenauswahl an Bonbons und Schokoriegeln so viele probieren, wie man wollte. Definitiv ein Highlight!
Im Anschluss ging es dann ins Wissenschaftszentrum Heureka, wo wir in Teamwork Arbeiten an einer Raumstation durchführten, eigene Roboter trainierten und auf einem Fahrrad ein Drahtseil überquerten – das alles auf Englisch versteht sich! Auch das wird sicherlich lange in guter Erinnerung bleiben!

Vappu in Tampere
Wir waren insgesamt 12 Tage vor Ort und konnten sogar den in Finnland sehr wichtigen Feiertag Vappu (Tag der Studenten, Arbeiter und Fest des Frühlings) am 1. Mai miterleben. Anne-Marie, die Deutschlehrerin vor Ort, hatte mich schon im Vorfeld eingeladen, den Feiertag mit ihr und ihrer Familie zu verbringen. Sie lebt im 80 km entfernten Nokia (wie das Handy :D) und wir haben dort traditionelle Krapfen gebacken und Sima getrunken, eine Art Limonade mit Zitrone und Rosinen. Außerdem sind wir ins nahegelegene Tampere gefahren, eine mittelgroße Universitätsstadt, in der die Studenten an Vappu bunte Overalls tragen, entsprechend ihrer Fakultäten, mit Aufnähern, die zeigen, an welchen studentischen Aktivitäten sie bisher teilgenommen haben. An Vappu findet dort außerdem die traditionelle Erstsemestertaufe statt, bei der die Studierenden freiwillig in große Körbe steigen und sich von einem Kran in den eiskalten Fluss tauchen lassen. Definitiv ein sehenswertes Spektakel!
Überfahrt nach Tallinn
Am zweiten und letzten Wochenende sind wir dann mit der Fähre nach Tallinn übergesetzt (2,5 h von Helsinki aus) und haben einen Tag in der estnischen Hauptstadt verbracht. Tallinn ist eine der wenigen Hauptstädte in Europa, die ihren mittelalterlichen Stadtkern und Charme bewahrt haben. Die Stadt strotzt vor Geschichte (auch deutscher), und wie sollte man das besser lernen als auf einer interaktiven Stadtführung mit Sir Cederic, der uns in standesgemäßer Kluft die schönsten Ecken und tollsten Geschichten der Stadt präsentiert hat – auf Englisch versteht sich. Außerdem haben wir die 258 Stufen des Turms der St.-Olaf-Kirche erklommen, der mit seinen 124 Metern 70 Jahre lang das höchste Gebäude der Welt war, bis Monsieur Eiffel in Paris seinen Turm baute. Alles in allem eine sehr charmante Großstadt.

Rückreisetag
Am Rückreisetag haben wir noch ein paar Stunden in Helsinki verbracht und auch dort eine Stadtführung mit einem „Local“ gemacht, um ein bisschen über das Leben in der finnischen Hauptstadt zu lernen. Leider hat uns das Wetterglück, das uns an allen anderen Tagen begleitet hat, am letzten Tag verlassen, und es wartete schließlich auch der Flieger nach Hause auf uns, sodass wir Helsinki selbst nicht so viel abgewinnen konnten, wie die Stadt sicherlich zu bieten hat. Sicherlich ein Grund, wiederzukommen!

Fazit
Der erste Austauschdurchlauf war ein voller Erfolg, und die Einblicke und Kontakte, die ich aus Finnland mitbringe, werden uns hoffentlich dabei helfen, unsere Schule und die Kooperation mit Partnerschulen wie Parkano Lukio weiter auszubauen.
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